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Warum meiden junge Menschen die Ausbildung im Handwerk?

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Zwei Lehrlinge bei ihrer Ausbildung im Handwerk.

Der Fachkräftemangel im Handwerk lässt sich mitunter auf unbesetzte Ausbildungsstellen zurückführen. Gleichzeitig werden immer wieder Ausbildungen im Handwerk abgebrochen. Doch warum meiden jungen Menschen das Handwerk und was kann man als Ausbildungsbetrieb tun, um einen Ausbildungsabbruch zu vermeiden?

Viele unbesetzte Ausbildungsstellen im Handwerk

Das Handwerk bietet ein breites Spektrum an verschiedenen Ausbildungsberufen an – vom Maler und Lackierer über den Elektroniker bis hin zum Berufsbild des Stuckateurs. So gab es laut Berufsbildungsbericht im Jahr 2018 auch 3,4% mehr freie Ausbildungsplätze als 2017. Im Vergleich zum Vorjahr wurden sogar rund 1,1% mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen. Trotzdem blieben laut Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) bundesweit etwa 33.600 Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt.

Warum bleiben so viele Ausbildungsstellen im Handwerk unbesetzt?

Natürlich liegen bei jedem Menschen individuelle Gründe für die Berufswahl vor. Insgesamt lassen sich aber einige Faktoren nennen mit denen die vielen unbesetzten Stellen zu erklären sein könnten. Zunächst einmal sinkt die Anzahl der Schulabgänger in Deutschland. Gleichzeitig machen viele Schüler einen höheren Schulabschluss, der Großteil strebt das Abitur an. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer führte das in einem Interview mit dem Spiegel vom 21. August 2018 unter anderem auf einen “Drang zum Studium” zurück. Und obwohl auch etwa ein Drittel aller Studierenden ihr Studium abbrechen, erfolgt bei diesen eher eine Umorientierung hin zu einem neuen Studium statt zu einer Ausbildung im Handwerk.

Und das, obwohl es viele gute Gründe für eine Ausbildung im Handwerk gibt:

  • Vielfältige Karrieremöglichkeiten
  • Weiterbildungsangebote
  • Selbstständigkeit möglich
  • Gute Verdienstmöglichkeiten

Mangelndes Interesse an einer handwerklichen Berufsausbildung, lässt sich auch auf fehlende Informationen zurückführen. Fehlt ein Bezug zum Handwerk, fällt es vielen jungen Menschen schwer sich den Berufsalltag und die konkreten Tätigkeiten bestimmter Handwerksberufe vorzustellen. Praktisch heißt das, wer keine Handwerker in der Familie oder im Bekanntenkreis hat, dem fehlen schlicht auch die Berührungspunkte mit der handwerklichen Praxis. Erst kürzlich wurde deshalb über ein Pflichtpraktikum im Handwerk diskutiert. Dieses sollte jungen Menschen in Form von praktischer Erfahrung in einem Handwerksbetrieb zur Berufsorientierung dienen. Letztlich wurde das verpflichtende Praktikum nicht eingeführt.

Vielen Auszubildenden ist laut einer Befragung der Gewerkschaft ver.di neben Spaß am Beruf auch “gute Bezahlung und materielle Sicherheit” wichtig. Auch hier zeichnet sich eine Verbesserung der Attraktivität einer Ausbildung im Handwerk ab, denn künftig wird es einen Mindestlohn in der Ausbildung geben. Für neue Ausbildungsverträge ab 2020 gilt dann nach dem neuen Berufsbildungsgesetz die Mindestausbildungsvergütung. Inwiefern das die Zahl unbesetzter Ausbildungsstellen beeinflussen wird, bleibt derzeit vorerst unklar.

Abbruchquote der Auszubildenden verringern

Einen guten Auszubildenden im Handwerk zu finden kann sich also mitunter schwierig gestalten. Konnte der Handwerksbetrieb dann doch offene Lehrstellen besetzen, heißt das noch lange nicht, dass der Azubi die Ausbildung dann auch beendet. Laut Berufsbildungsbericht werden fast ein Viertel der Ausbildungsverträge aufgelöst. Haben Sie also einen guten Auszubildenden gefunden tun Sie gut daran, diesen auch im Betrieb zu behalten. Was können Sie also tun, um Auszubildende stärker an den Betrieb zu binden?

Von Anfang in den Betrieb einbinden

Viele junge Menschen starten motiviert in die Ausbildung – nicht selten kommt jedoch schnell die Ernüchterung. Um die Motivation beizubehalten, ist es wichtig den Auszubildenden fest in den Betrieb zu integrieren und nicht als Mitarbeiter zweiter Klasse zu behandeln.

Und damit kann man als Betrieb schon bei Ausbildungsbeginn anfangen. Denn gerade am ersten Arbeitstag ist man oft besonders aufgeregt. Den Start ins Berufsleben des neuen Auszubildenden sollten Sie also gut vorbereiten. Weihen Sie Ihre Mitarbeiter im Betrieb ein und organisieren eine Vorstellungsrunde, damit alle den neuen Auszubildenden persönlich willkommen heißen können. Bestenfalls sollten Sie oder ein anderer Mitarbeiter sich als Ansprechpartner für sämtliche Fragen und Belange zur Verfügung stellen. Zusätzlich sollten Sie:

  • Vernünftige Arbeitskleidung zur Verfügung stellen
  • Arbeitsplatz vorbereiten
  • Möglicherweise eine Einführungsmappe mit wichtigen Infos, wie z.B.  Urlaubsregelung, Arbeitszeiten, Zuständigkeiten, zusammenstellen

Als Chef sollten Sie sich außerdem zu Beginn und zum Ende des Tages noch Zeit für den Auszubildenden nehmen und kurze Gespräche mit ihm führen. So lässt sich der erste Tag zu Beginn gut koordinieren und am Ende noch einmal einschätzen.

Wurde der Auszubildende gut im Betrieb empfangen und konnte sich bereits ein wenig integrieren, sollten Sie ihn sobald wie möglich auch fest in den Arbeitsalltag einbinden, damit er von Anfang möglichst viel in der Ausbildung lernen kann. Mit Fortschreiten der Ausbildung können dann immer anspruchsvollere Aufgaben vergeben werden.

Kommunikation aufrechterhalten

Wie so oft im Leben ist auch in der Ausbildung Kommunikation das A und O im Leben. Es schadet also nicht sich immer mal wieder Zeit für den Auszubildenden zu nehmen und kurze Gespräche zu führen.

Auch Aufgaben sollten Sie gut erklären und dabei offen legen, warum diese erledigt werden müssen. Möglicherweise traut der Auszubildende sich noch nicht von sich aus Fragen zu bestimmten Abläufen, Arbeitspraktiken etc. zu stellen, geben Sie ihm dazu also von Anfang an die Möglichkeit. So wird es dem Auszubildenden leichter fallen die Notwendigkeit bestimmter Tätigkeiten besser zu verstehen.

Sollte es Probleme mit dem Auszubildenden geben, ist ebenfalls enorm wichtig das Gespräch zu suchen, statt diese zu ignorieren. Grundsätzlich können regelmäßige Feedback-Gespräche hilfreich sein, um Kritik und Lob auszusprechen. Geringe Wertschätzung ist schließlich ein besonderer Motivationskiller, dabei wollen Sie ja Ihre Mitarbeiter motivieren Möglicherweise hat auch der Auszubildende Vorschläge und Anregungen für den Betrieb, die konstruktiv sein könnten. Fragen Sie also ruhig hin und wieder den Azubi nach seiner Meinung.

Faire Konditionen und gute Perspektiven

Neben einer fairen Bezahlung, sollten Sie auch faire Arbeitsbedingungen für den Auszubildenden schaffen. Das heißt nehmen Sie beispielsweise Rücksicht auf Unterrichtszeiten der Berufsschule – besonders in Prüfungszeiten. Achten Sie auch darauf, dass Überstunden bei Azubis nicht zu häufig vorkommen sollten – und wenn doch, dass diese ausgeglichen werden.

Wollen Sie den Auszubildenden im Betrieb behalten, sollten Sie ihm auch die Perspektiven aufzeigen. Unwissenheit führt schließlich eher dazu, dass der Azubi sich nach einem anderen Job umgucken wird. Ein Übernahmegespräch sollte daher früh genug geführt werden, damit der Auszubildende seine Möglichkeiten in die weitere Planung einbinden kann. Zeigen Sie dabei die Übernahmemöglichkeiten im Betrieb auf und erläutern auch die Konditionen. Zusätzlich sollten Sie mögliche Weiterbildungsangebote aufzeigen. Kann der Auszubildende beispielsweise seinen Handwerksmeister machen oder sich auf Fortbildungen in bestimmten Bereichen spezialisieren, sollten Sie ihm diese Perspektiven auch direkt im Übernahmegespräch aufzeigen.

1 Kommentar

  1. Mario Parlazzari 17. Juni 2019

    Ja, das Problem mit dem Nachwuchs kennen wir auch in unserem Betrieb. Wir haben einen Lehrling angestellt und nach 4 Wochen hatte er keine Lust mehr – war ihn dann doch irgendwie zu anstrengend. Was soll man da noch sagen? Bevor man einen Vertrag unterzeichnet sollte man sich doch hinreichend mit dem beruflichen Umfeld vertraut machen. Die Verantwortung geht auch in beide Richtungen: Wir als ausbildender Betrieb verpflichten uns, dem Azubi die bestmögliche Ausbildung zukommen zu lassen und er stellt dafür seine Wiss- und Lernbereitschaft zur Verfügung sowie – natürlich eingeschränkt – seine Arbeitskraft.Es wollen heutzutage alle studieren auch wenn es gute Berufschancen im Handwerk gibt und die Weiterbildungsmöglichkeiten durchaus interessant sind.

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