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Mindestlohn in der Ausbildung? Infos zur Mindestausbildungsvergütung

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Bald könnte es eine Mindestausbildungsvergütung geben

Als Handwerksbetrieb muss man früher oder später die Entscheidung treffen, ob man ausbildet oder nicht. Dabei spielen auch die Kosten eine große Rolle. Arbeitgeber sollten sich deshalb möglichst früh informieren, welche Änderungen mit dem neuen Berufsbildungsgesetz (BBiG) kommen werden. Wann kommt das neue Gesetz? Wie hoch muss die Ausbildungsvergütung in Zukunft sein und welche Betriebe sind überhaupt betroffen? Wir haben alles wichtige zusammengefasst.

Die wichtigsten Änderungen:

  • Mindestvergütung von 515 € im ersten Lehrjahr
  • Erhöht sich um 18 % im zweiten und 35 % im dritten Lehrjahr
  • Gilt für Ausbildungsverträge ab 01.01.2020 (außer tarifgebundene)
  • Mindestvergütung wird jährlich erhöht (ähnlich wie Mindestlohn)

Mindestlohn? Den gibt es doch schon!

Das stimmt, aber der gesetzliche Mindestlohn gilt nur für Arbeitnehmer. Auszubildende können in den ersten Ausbildungsjahren nur in seltenen Fällen die gleiche Arbeit machen, die ein voll ausgebildeter Arbeitnehmer übernehmen kann. Daher erhalten sie offiziell auch keinen Lohn, sondern eine Ausbildungsvergütung. Ausbildungsbetriebe müssen sich also bei der Bezahlung der Azubis nicht an den bundesweiten Mindestlohn von 9,19 Euro halten. Auch in Zukunft werden Auszubildende also keinen Mindestlohn bekommen, sondern eine Mindestvergütung.

Wann kommt die Mindestausbildungsvergütung?

Die Mindestausbildungsvergütung wurde schon 2018 im Koalitionsvertrag beschlossen. Auch der Zeitpunkt wurde dort bereits festgelegt: Laut Koalitionsvertrag soll das neue Berufsbildungsgesetz (BBiG) bis zum 1. August beschlossen werden und am 01. Januar 2020 in Kraft treten. Dieses Datum hat die Bundesregierung auch am 15.05. mit dem fertigen Gesetzentwurf bestätigt. Jetzt steht aber auch fest: Die Mindestvergütung wird nur für neue Ausbildungsverträge ab 2020 gelten und sich nicht auf alte Verträge auswirken. Das ist vor allem ärgerlich für Azubis, die 2018 ihre Ausbildung anfangen und in ihrem ersten Lehrjahr weniger als 515 € Ausbildungsvergütung erhalten. Sie wird außerdem nicht für Ausbildungsverträge mit Tarifbindung gelten, aber diese sind für gewöhnlich sowieso besser entlohnt.

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Wie hoch wird die Mindestausbildungsvergütung?

erstes Lehrjahrzweites Lehrjahr (+ 18 %)drittes Lehrjahr (+ 35 %)
ab 2020515 €607 €695 €
ab 2021550 €649 €743 €
ab 2022585 €690 €790 €
ab 2023620 €732 €837 €

Während in den anfänglichen Vorschlägen von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek von 504 Euro und einer jährlichen Steigerung von fünf Prozent die Rede war, ist die jetzt geplante Steigerung höher. Zum zweiten Lehrjahr steigt die Ausbildungsvergütung um 18 Prozent und zum dritten um 35 Prozent. Bei längeren Ausbildungen steigt die Vergütung zum vierten Lehjahr um 40 Prozent. Das diene dazu, dem steigenden Beitrag Auszubildender zur betrieblichen Wertschöpfung spürbar Rechnung zu tragen, so Karliczek.

Nicht alle sind mit diesem Betrag zufrieden: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hält die Bestrebungen nicht für nötig. Ausbildungsvergütungen sollen wie bisher von den Tarifvertragsparteien festgelegt werden. Falls die Mindestvergütung doch kommen sollte, wünscht sich der Verband eine Übergangszeit von drei Jahren und Vorrang für bestehende Tarifverträge. Auch die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände hält den Betrag für zu hoch und schlägt eine Mindestvergütung von 435 Euro vor.

Der Deutsche Gewerkschaftbund sieht das jedoch ganz anders und fordert in einem Eckpunktepapier eine Vergütung von 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung. Für 2018 wäre das eine Vergütung von 660 Euro im ersten Lehrjahr. 52 Prozent der Handwerksbetriebe zahlen ihren Azubis im ersten Lehrjahr weniger.

Wie wirkt sich die Mindestausbildungsvergütung auf das Handwerk aus?

Betroffen wären davon jedoch nur die wenigsten Betriebe: Laut einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung müssten nur elf Prozent der deutschen Betriebe ihren Auszubildenden bei einer Mindestvergütung von 500 € mehr zahlen. Im Handwerk wären es jedoch schon 19 Prozent und auch die kleinsten Betriebe (bis neun Personen) wären stärker betroffen: 17 Prozent von ihnen müssten die Vergütung ihrer Azubis erhöhen.

Laut Zahlen der Bundesagentur für Arbeit verdienten Ende 2017 mehr als sieben Prozent aller Auszubildenden weniger als 500 Euro im Monat. Es wird insgesamt also nur eine kleiner Teil der Betriebe betroffen sein. Auch wenn sich ZDH und Arbeitgeberverbände gegen die Mindestausbildungsvergütung aussprechen, könnte die sie für Ausbildungsbetriebe sogar nützlich sein. Ungefähr ein Viertel der Ausbildungsverträge werden vorzeitig aufgelöst. Für beide Seiten, Betriebe und Azubis, bedeutet das einen Verlust von Zeit, Ressourcen und Geld. 2018 hat die Gewerkschaft ver.di Auszubildende gefragt, was ihnen bei der Wahl des Ausbildungsplatzes am wichtigsten war. Immerhin 19 Prozent haben „gute Bezahlung und materielle Sicherheit angegeben“, auch wenn 51 Prozent Spaß im Beruf und Möglichkeit für Selbstverwirklichung wichtiger ist. Wenn Betriebe ihren Auszubildenden also ein bisschen mehr zahlen, können sie die Ausbildung im Handwerk attraktiver machen, Abbrüchen vorbeugen und die Loyalität der Azubis steigern. Langfristig spart der Betrieb dadurch Geld.

Eine zu hohe Mindestausbildungsvergütung kann aber auch dazu führen, dass weniger Betriebe ausbilden. Die Studie des BIBB hat auch ausgerechnet, wie sich verschiedene Höhen der Mindestausbildungsvergütung auf die Nettokosten der Betriebe auswirken könnten. Aktuell kostet die Ausbildung eines Azubis Handwerksbetriebe im Durchschnitt 7.246 Euro pro Jahr. Bei einer Mindestvergütung von 500 Euro würden sich die Nettokosten pro Jahr und Azubi auf 7.467 Euro erhöhen. Bei einer Mindestvergütung von 650 Euro würden die Nettokosten auf 8.070 Euro steigen. Während die vorgeschlagenen 515 Euro sich also kaum auf die Ausbildungszahlen auswirken dürften, werden einige kleinere Betriebe bei den geplanten Erhöhungen ab 2021 wahrscheinlich nicht mehr ausbilden.

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