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Mindestlohn in der Ausbildung? Infos zur Mindestausbildungsvergütung

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Bald könnte es eine Mindestausbildungsvergütung geben

Als Handwerksbetrieb muss man früher oder später die Entscheidung treffen, ob man ausbildet oder nicht. Dabei spielen auch die Kosten eine große Rolle. Arbeitgeber sollten sich deshalb möglichst früh informieren, welche Änderungen mit dem neuen Berufsbildungsgesetz (BBiG) kommen werden. Wann kommt das neue Gesetz? Wie hoch muss die Ausbildungsvergütung in Zukunft sein und welche Betriebe sind überhaupt betroffen? Wir haben alles wichtige zusammengefasst.

Mindestlohn? Den gibt es doch schon!

Das stimmt, aber der gesetzliche Mindestlohn gilt nur für Arbeitnehmer. Auszubildende können in den ersten Ausbildungsjahren nur in seltenen Fällen die gleiche Arbeit machen, die ein voll ausgebildeter Arbeitnehmer übernehmen kann. Daher erhalten sie offiziell auch keinen Lohn, sondern eine Ausbildungsvergütung. Ausbildungsbetriebe müssen sich also bei der Bezahlung der Azubis nicht an den bundesweiten Mindestlohn von 9,19 Euro halten. Auch in Zukunft werden Auszubildende also keinen Mindestlohn bekommen, sondern eine Mindestausbildungsvergütung.

Wann kommt die Mindestausbildungsvergütung?

Die Mindestausbildungsvergütung wurde schon 2018 im Koalitionsvertrag beschlossen und, dass sie kommt steht damit schon so gut wie fest. Auch der Zeitpunkt wurde dort bereits festgelegt: Laut Koalitionsvertrag soll das neue Berufsbildungsgesetz (BBiG) bis zum 1. August beschlossen werden und am 01. Januar 2020 in Kraft treten. Es gilt dann für alle Azubis, egal ob sie im ersten Lehrjahr sind oder nicht.

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Wie hoch könnte die Mindestausbildungsvergütung werden?

Nach dem Vorschlag der Bundesbildungsministerin Anja Karliczek soll die monatliche Mindestausbildungsvergütung ab 2020 bei 504 Euro im ersten Jahr liegen. In den darauffolgenden Lehrjahren erhöht sich der Betrag dann um jeweils fünf Prozent, also auf 529 (zweites Jahr), 554 (drittes Jahr) und 580 Euro (viertes Jahr) im Monat. Ausgerichtet ist dieser Betrag nach der BAföG-Förderung, die Schüler erhalten, wenn sie nicht mehr bei ihren Eltern wohnen. Betroffen wären davon jedoch nur die wenigsten Betriebe: Laut einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung müssten nur elf Prozent der deutschen Betriebe ihren Auszubildenden mehr zahlen, wenn die Mindestvergütung in der oben genannten Version kommt. Im Handwerk wären es jedoch schon 19 Prozent und auch die kleinsten Betriebe (bis neun Personen) wären stärker betroffen: 17 Prozent von ihnen müssten die Vergütung ihrer Azubis erhöhen.

Nicht alle sind mit diesem Betrag zufrieden: Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hält die Bestrebungen nicht für nötig. Ausbildungsvergütungen sollen wie bisher von den Tarifvertragsparteien festgelegt werden. Falls die Mindestvergütung doch kommen sollte, wünscht sich der Verband eine Übergangszeit von drei Jahren und Vorrang für bestehende Tarifverträge. Auch die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände hält den Betrag für zu hoch und schlägt eine Mindestvergütung von 435 Euro vor.

Der Deutsche Gewerkschaftbund sieht das jedoch ganz anders und fordert in einem Eckpunktepapier eine Vergütung von 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütung. Für 2018 wäre das eine Vergütung von 660 Euro im ersten Lehrjahr. 52 Prozent der Handwerksbetriebe zahlen ihren Azubis im ersten Lehrjahr weniger.

Wie wirkt sich die Mindestausbildungsvergütung auf das Handwerk aus?

Auch wenn sich ZDH und Arbeitgeberverbände beide gegen den Vorschlag von 504 Euro aussprechen, könnte die Mindestvergütung für Ausbildungsbetriebe sogar nützlich sein. Ungefähr ein Viertel der Ausbildungsverträge werden vorzeitig aufgelöst. Für beide Seiten, Betriebe und Azubis, bedeutet das einen Verlust von Zeit, Ressourcen und Geld. 2018 hat die Gewerkschaft ver.di Auszubildende gefragt, was ihnen bei der Wahl des Ausbildungsplatzes am wichtigsten war. Immerhin 19 Prozent haben „gute Bezahlung und materielle Sicherheit angegeben“, auch wenn 51 Prozent Spaß im Beruf und Möglichkeit für Selbstverwirklichung wichtiger ist. Wenn Betriebe ihren Auszubildenden also ein bisschen mehr zahlen, können sie die Ausbildung im Handwerk attraktiver machen, Abbrüchen vorbeugen und die Loyalität der Azubis steigern. Langfristig spart der Betrieb dadurch Geld.

Eine zu hohe Mindestausbildungsvergütung kann aber auch dazu führen, dass weniger Betriebe ausbilden. Die Studie des BIBB hat auch ausgerechnet, wie sich verschiedene Höhen der Mindestausbildungsvergütung auf die Nettokosten der Betriebe auswirken könnten. Aktuell kostet die Ausbildung eines Azubis Handwerksbetriebe im Durchschnitt 7.246 Euro pro Jahr. Bei einer Mindestvergütung von 500 Euro würden sich die Nettokosten pro Jahr und Azubi auf 7.467 Euro erhöhen. Bei einer Mindestvergütung von 650 Euro würden die Nettokosten auf 8.070 Euro steigen. Während die vorgeschlagenen 504 Euro sich also kaum auf die Ausbildungszahlen auswirken dürfte, werden bei 650 Euro sicher viele Handwerksbetriebe weniger ausbilden.

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