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Gentrifizierung

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Durch die Gentrifizierung von Stadtteilen kommt es zu Modernisierung und Renovierung von Stadtteilen

Gentrifizierung steht für den Strukturwandel von Vierteln oder ganzen Stadtteilen in Großstädten. Als Großstadt gilt in Deutschland eine Stadt mit mindestens 100.000 Einwohnern. Eine Gentrifizierung ist in der Regel mit der Aufwertung des jeweiligen Stadtteils beziehungsweise Viertels verbunden. Gleichzeitig erhöhen sich auch die Mieten.

Der Begriff der Gentrifizierung

Die Begrifflichkeit stammt aus der Sozioökonomie. Sie wird aber auch in der Stadtplanung und -forschung sowie den Wirtschaftswissenschaften und der Volkskunde untersucht.

Das Phänomen der Gentrifizierung fand in den 1960er größere Reichweite und wurde durch die Soziologin Ruth Glass verbreitet. Für die Sozioökonomie ist die Gentrifizierung ein interessanter Veränderungsprozess, bei dem sich sowohl die soziodemografische Bevölkerung des Stadtteils als auch in Folge der neuen Bewohnerschaft die dort ansässigen Gewerbe wandeln. Es kommt dabei mitunter sogar zum Austausch der beinahe gesamten Bevölkerung des Stadtteils. Eine Gentrifizierung ist von verschiedenen sozialen und kulturellen Faktoren, die temporär auftreten, abhängig. Allerdings ist die Begrifflichkeit nach wie vor nicht eindeutig abgegrenzt.

Was passiert bei der Gentrifizierung?

Die Prozesse der Gentrifizierung geschehen zwar unter recht unterschiedlichen Bedingungen, allerdings lassen sich bei den meisten gentrifizierten Stadtteilen einige Parallelen beobachten. So liegt den betroffenen Stadtteilen oftmals die selbe Ausgangssituation zugrunde. Meist handelt es sich um ehemals klassische Arbeiterviertel, die vor allem industriell geprägt waren. Sie zeichnen sich außerdem oft durch eine gute innenstadtnahe Lage und einen hohen Bestand an Altbauten aus. So durchlaufen die Stadtteile oft folgenden Prozess:

  • Durch Verlust der Industrie höhere Armut und Verwahrlosung des Stadtteils
  • Höherer Leerstand
  • Geringe Miete lockt häufig Studenten und Künstler an
  • Vorhandene Fläche wird für Ateliers, Gastronomie oder als günstiger Wohnraum genutzt
  • Entwicklung einer Szene
  • Größere Bekanntheit
  • Durchmischung der Bevölkerung und schleichende Verdrängung langlebiger gering verdienender Bevölkerungsschichten beziehungsweise Geschäften
  • Sanierung und Umbau durch höhere Investitionen
  • Aufwertung des Stadtteils oder des Viertels
  • Steigende Mieten und Wohnungsmangel

Folgen und Konflikte der Gentrifizierung

Neben der Aufwertung des Stadtteils, kommt es häufig auch zu einer erhöhten Lebhaftigkeit durch die neuen Bars, Clubs, Restaurants und Geschäfte. In gentrifizierten Stadtteilen steigen außerdem die Mietpreise. Zu den entscheidenden Faktoren, wann ein Stadtteil gentrifiziert zählen unter anderem:

  • Aktuelle soziale und kulturelle Gegebenheiten
  • Konsumgewohnheiten
  • Vorherrschende Geschmäcker und Vorlieben
  • Attraktive Lage und Aufwertungsmöglichkeiten

Doch die Gentrifizierung eines Stadtteils verläuft häufig nicht konfliktfrei. Private Investitionsstrategien steigern die Preise und die Wirtschaftlichkeit der Viertel. Es kommt zu Segregationsprozessen bei denen die ansässige Bevölkerung durch ihren geringeren Verdienst nach und nach verdrängt wird. Eine heterogene Sozialstruktur kann dadurch schrittweise verloren gehen. Einkommensschwache Haushalte werden dadurch oft in Randgebiete oder aus der Stadt heraus gedrängt. Dementsprechend spiegeln sich soziale Unterschiede mehr und mehr auch in der Raumstruktur der Stadt wider.

Beispiele deutscher Städte

Auch in Deutschland spielt die Gentrifizierung eine entscheidende Rolle in der Stadtentwicklung. Daher lassen sich auch in deutschen Großstädten Beispiele für gentrifizierte Stadtteile finden:

  • Köln-Ehrenfeld
  • Düsseldorf-Flingern
  • Berlin-Friedrichshain
  • Hamburg-Schanzenviertel

Welcher Stadtteil also das nächste Szeneviertel wird, ist regelmäßig Gegenstand von Spekulationen und Diskussionen.

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