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DIN, EN, ISO? Was sind Normen und wie funktioniert Normung?

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Letzte Aktualisierung am 22. Oktober 2020 von Max Lehmann

Auf Normen trifft man im Laufe des Lebens irgendwann immer, erst recht wenn man einen handwerklichen Beruf ausübt. Doch nicht immer ist ganz klar, was sie eigentlich bedeuten und wie man mit ihnen umgeht. Wir beantworten alle Fragen zur Normung!

Was ist eine Norm?

Normen sind allgemein anerkannte Regeln für das Zusammenleben von Menschen. Sie sind anders als Gesetze nur Empfehlungen und die Einhaltung ist freiwillig. Soziale Normen wie der Handschlag beim Kennenlernen erleichtern es einem beispielsweise, mit vorher unbekannten Menschen in Kontakt zu treten – zumindest dann, wenn es gerade keine Pandemie gibt. Technische Normen machen Arbeitsweisen und Produkte vergleichbar und helfen so Verbrauchern und Unternehmen. Für die Definition von technischen Normen – Normung genannt – gibt es Organisationen, die den Prozess organisieren. In Deutschland ist das seit 1917 das Deutsche Institut für Normung e.V., kurz DIN. Es beeinflusst auch die Normung auf europäischer und weltweiter Ebene.

Auch der Staat kann in Gesetzen und Verordnungen auf Normen verweisen und sie so verpflichtend machen. Das passiert vor allem dann, wenn es um Gesundheit, Sicherheit oder Umweltschutz geht. Aus diesem Grund sind Normen auch für die Baubranche und das Handwerk extrem wichtig.

Für den Staat hat das den Vorteil, dass keine neuen Anforderungen in langen Verhandlungen definiert werden müssen. Die betroffenen Personen profitieren hingegen dadurch, dass Politiker nicht zu viel Einfluss auf fachfremde Themen nehmen.

Wie entsteht eine neue Norm?

Für die Erstellung der DIN-Normen gibt es ungefähr 70 Normenausschüsse und innerhalb dieser wiederum Arbeitsschüsse, die sich jeweils um einen Normungsvorgang kümmern – auch auf internationaler Ebene.

Ein Normungsantrag kann der Anstoß für eine neue Norm sein. Normungsanträge kann jeder auf der Website des DIN stellen. Der Antrag wird dann im passenden Gremium besprochen und dann entweder angenommen oder abgelehnt. Wird der Antrag angenommen, erstellen die beteiligten Fachleute eine Norm-Vorlage, aus der eventuell ein Norm-Entwurf wird. Alle Norm-Entwürfe findet man auf din.de/go/entwuerfe. Dort kann jeder Einsprüche einlegen, in der Regel zwei Monate nach der Veröffentlichung des Entwurfs. Nach dieser Frist werden die Einsprüche diskutiert und eine endgültige Fassung der Norm verabschiedet.

Alle fünf Jahre werden Normen geprüft

Jede Norm wird spätestens nach fünf Jahren auf Aktualität geprüft. Gibt es keinen Änderungsbedarf, bleibt sie einfach wie bisher. In fünf Jahren kann sich der Stand der Technik jedoch auch stark verändern. Dann wird die Norm überarbeitet oder sogar komplett zurückgezogen.

Beteiligungsmöglichkeiten

Normen sind nicht immer perfekt und gerade als Handwerker wird einem im Berufsleben wahrscheinlich eine Sache auffallen, die man an manchen DIN-Normen verbessern könnte – selbst wenn es nur eine Kleinigkeit ist. Es lohnt sich, sich am Normungsprozess zu beteiligen. Dafür gibt es folgende Möglichkeiten:

Normungsantrag stellen

Wie schon erwähnt kann ein Normungsantrag von jedem einfach online gestellt werden. Damit das funktioniert sollte der Vorschlag möglichst konkret und gut begründet sein. Je näher man am Thema dran ist, desto leichter fällt das.

Teilnahme an Arbeitsausschüssen

Jede Organisation beziehungsweise jedes Unternehmen kann Experten in die Arbeitsausschüsse entsenden. Damit die Arbeit nicht zu chaotisch wird, wird oft jedoch nur ein Vertreter pro Fachverband in den Ausschuss entsendet. Dort werden die Norm-Entwürfe erarbeitet und bestehende Normen regelmäßig überprüft.

Stellung zu Norm-Entwürfen nehmen

Auch wenn Sie nicht an einem Arbeitsausschuss teilnehmen, können Sie zwei bis vier Monate nach Veröffentlichung eines Entwurfs Stellung zum Ergebnis beziehen. Genau wie der Normungsantrag ist das alles online möglich.

Was bedeutet der Name einer DIN-Norm?

Wenn man den Titel einer DIN-Norm zum ersten mal sieht, ist das wahrscheinlich eher verwirrend als hilfreich. Tatsächlich gibt es aber klare Regeln für die Namensgebung, die gar nicht so kompliziert sind. Sie werden – wer hätte es gedacht – in der DIN 820 festgelegt, die übrigens auch den gesamten deutschen Normungsprozess beschreibt.

Nehmen wir einfach mal die DIN EN ISO 4032:2013-04 als Beispiel:

  • „DIN EN ISO“ -> Es handelt sich um die deutsche Fassung der EN ISO 4032
  • „2013“ gibt an, in welchem Jahr die deutsche Fassung veröffentlicht wurde
  • „-04“ den Monat, also April
  • Titel: Sechskantmuttern (Typ 1) – Produktklassen A und B (ISO 4032:2012); Deutsche Fassung EN ISO 4032:2012

Die Zeitangabe bei Normenbezeichnungen basiert übrigens auch auf einer Norm, nämlich der ISO 8601. Sie kann auch zwischen verschiedenen Versionen abweichen. Die DIN EN ISO 4032 in unserem Beispiel wurde 2013 veröffentlicht, die europäische EN ISO 4032 schon 2012. Nur die Sprache unterscheidet sich, der Inhalt jedoch nicht.

Um mehr Infos zu einer Norm zu finden braucht man also nur die Kürzel und die Nummer. Mit diesen findet man über beuth.de oder iso.org schnell heraus, ob eine DIN-Norm noch aktuell ist. Wenn nicht, findet man dort auch schnell heraus, durch welche sie ersetzt wurde.

Welche Arten von Normen gibt es?

Es gibt drei Arten von Normen in Deutschland, die man an der Bezeichnung erkennt.

DIN-Normen werden nach dem Schema „DIN + Zählnummer“ aufgebaut. Sie wirken nur innerhalb Deutschlands und haben auf europäischer Ebene oder darüber hinaus keine Bedeutung. Es kann jedoch trotzdem passieren, dass sie später auch über Deutschland hinaus gelten. Dann ändert sich der Namenszusatz.

Europäische Normen erkennt man an der Bezeichnung „EN“ und bei der deutschen Variante am Zusatz „DIN EN + Nummer“. Sie wirken sich auf alle Mitglieder der europäischen Normungsorganisationen CEN, CENELEC oder ETSI aus.

Internationale Normen gibt es in mehreren Varianten. Beginnt die Norm mit dem Zusatz „DIN EN ISO“ dann gilt sie auf allen drei Ebenen. Die europäische und die internationale Version sind identisch. Beginnt sie mit „DIN ISO“, dann handelt es sich um die unveränderte Form einer internationalen Norm.

Wichtige Normen im Alltag

Auf eine der technischen Normen trifft man im Alltag sehr oft: Die Norm mit dem langen Namen DIN EN ISO 216:2007-12 Schreibpapier und bestimmte Gruppen von Drucksachen – Endformate – A- und B-Reihen und Kennzeichnung der Maschinenlaufrichtung (ISO 216:2007) definiert Papierformate wie zum Beispiel das beliebte Format DIN-A4. Seit 1922 gibt es diese Norm schon und sie wurde im Dezember 2007 das letzte mal aktualisiert.

DIN EN ISO 9001 – Im Unternehmensbereich ist das wahrscheinlich eine der bekanntesten Normen. Dabei geht es um Qualitätsmanagement innerhalb von Organisationen.

DIN EN 124 – Aufsätze und Abdeckungen für Verkehrsflächen. Worum könnte es sich hier bloß handeln? Richtig, es geht um die Anforderungen an Gullideckel. Diese Norm schützt uns davor, in die Kanalisation zu fallen oder stellt sicher, dass Kanaldeckel auch das Gewicht von einem Auto tragen können.

DIN 5008. Schreib- und Gestaltungsregeln für die Text- und Informationsverarbeitung. Genau das was im Titel steht ist hier auch drin: Diese Norm gibt Empfehlungen für Dokumente, die intern oder in der Kommunikation mit anderen Unternehmen verwendet werden können. Wenn Sie viel Wert auf Ihre Geschäftsbriefe legen kann sich die Anwendung der DIN 5008 lohnen.

DIN 13157. Diese Norm ist für Unternehmen besonders wichtig. Jeder Betrieb muss einen Verbandskasten haben, um die Arbeitnehmer zuverlässig zu schützen. In der DIN 13157 findet man die Anforderungen an den Kasten selbst und welches Erste-Hilfe-Material sich darin befinden muss. Es gibt jedoch auch noch weitere Normen, die die Anforderungen an die enthaltenen Materialien festlegen.

Wie viele Normen gibt es?

Das ist schwer zu sagen, denn es kommen ständig neue DIN-Normen dazu oder alte werden zurückgezogen. Als dieser Text geschrieben wurde waren es 34.914 DIN-Normen. Auf der Website der ISO waren es 24.422, es gibt jedoch noch viele andere Organisationen, die sich um die internationale Normung kümmern.

Was ist der Unterschied zwischen Normen und Standards?

Einen großen Unterschied zwischen den beiden Begriffen gibt es nicht. Sie werden zwar leicht anders definiert, aber man kann sie ohne Bedenken Synonym verwenden. Interessant ist auch der Blick in andere Sprachen: Während wir den Begriff “Norm” nutzen und die Franzosen den ähnlichen Begriff “norme”, gibt es im Englisch nur die “standards”.

Bild: blende11.photo / stock.adobe.com

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