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Werkvertrag nach BGB – Definition, Beispiele und Kündigung

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Wenn man mit einem Handwerker einen Vertrag abschließt, handelt es sich in den meisten Fällen um einen Werkvertrag. Doch was genau ist das eigentlich und was macht diese Vertragsart besonders? Was muss man bei Vergütung und Kündigung beachten? Wir beantworten alle Fragen zum Thema!

Definition – Was ist ein Werkvertrag?

Die wichtigsten Eigenschaften eines Werkvertrags werden in § 631 BGB definiert:

„(1) Durch den Werkvertrag wird der Unternehmer zur Herstellung des versprochenen Werkes, der Besteller zur Entrichtung der vereinbarten Vergütung verpflichtet.

(2) Gegenstand des Werkvertrags kann sowohl die Herstellung oder Veränderung einer Sache als auch ein anderer durch Arbeit oder Dienstleistung herbeizuführender Erfolg sein.“

Besonders wichtig ist hier das Wort Erfolg. Auch wenn der Name das vermuten lässt, muss es bei einem Werkvertrag nicht um eine handwerkliche Tätigkeit gehen. Es muss auch nicht unbedingt ein neues Werk hergestellt werden. Ein Werkvertrag kann sich daher auf die verschiedensten Arbeiten beziehen, solange es einen klar definierten Erfolg gibt. Wie dieser Erfolg erreicht wird, muss dafür nicht festgelegt werden. Der Unternehmer kann also selbst entscheiden, welche Arbeitsmittel er verwendet und welche Mitarbeiter die Arbeit ausführen.

„Besteller“ – umgangssprachlich auch Auftraggeber genannt – können entweder Privatpersonen sein oder andere Unternehmen oder Freiberufler. Privatpersonen können jedoch nicht als Auftragnehmer auftreten, da es sich um eine gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit handelt.

Den Unterschied zwischen Werkvertrag und Dienstvertrag erklären wir hier:
📝 Werkvertrag, Dienstvertrag und Werklieferungsvertrag

Beispiele

Wenn man es zum ersten Mal hört, kann man sich unter dem Wort „Werkvertrag“ eventuell nichts vorstellen. Tatsächlich entstehen im Alltag sehr viele Werkverträge, die man gar nicht unbedingt wahrnimmt. Auch mündlich kann man sie abschließen! Damit Sie eine bessere Vorstellung vom Thema bekommen, finden Sie hier ein paar Beispiele:

Handwerkerauftrag / Handwerkervertrag

Ein Auftraggeber findet über Blauarbeit einen Fliesenleger für die Badsanierung. Die beiden machen nun schriftlich aus, wo und in welchem Umfang Fliesen verlegt werden sollen und wann die Arbeit beginnt. Außerdem legen sie eine Vergütung fest. Das fertige Werk ist in diesem Fall also ein gefliester Boden oder eine geflieste Wand. Wenn der Auftraggeber zufrieden ist und das Werk abnimmt, ist der Werkvertrag erfüllt. Der Fliesenleger schreibt ihm nun eine Rechnung und erhält seine Zahlung.

Planungsvertrag / Architektenvertrag

Auch bei Verträgen mit Architekten handelt es sich in den meisten Fällen um einen Werkvertrag. Der Erfolg ist in diesem Fall die fertige Planung des Gebäudes und die Betreuung beim Bau bis zur Fertigstellung. In welchem Umfang der Architekt tätig wird, kann sich von Vertrag zu Vertrag unterscheiden.

Weitere Beispiele aus dem Alltag:

  • Bau eines Fahrzeugs
  • Reparatur oder Wartung einer Maschine
  • Untersuchung eines Stoffes in der Chemie
  • Anpassung eines Computers oder Servers
  • Erstellung eines Gutachtens
  • Transporte, zum Beispiel Taxifahrten
  • Umzüge

Abnahme

Der Besteller ist dazu verpflichtet, das Werk nach der Fertigstellung abzunehmen. Das bedeutet, dass er sich das Werk anschauen und auf Mängelfreiheit überprüfen muss. Die Abnahme kann auch von einem professionellen Gutachter erledigt werden. Das ist besonders dann zu empfehlen, wenn es sich um einen großen und wichtigen Auftrag handelt, aber der Besteller selbst wenig Ahnung vom Auftragsgegenstand hat. Im Alltag lohnt sich das vor allem bei einem Neubau, denn dort sollte man Mängel möglichst früh erkennen um teure Gerichtsverhandlungen zu vermeiden. Mit einer Baubegleitung kann man die Abnahme in mehreren Schritten von einem professionellen Baugutachter durchführen lassen.

Vergütung

Grundlage für die Vergütung im Werkvertragsrecht ist § 632 BGB:

  • (1) Eine Vergütung gilt als stillschweigend vereinbart, wenn die Herstellung des Werkes den Umständen nach nur gegen eine Vergütung zu erwarten ist.
  • (2) Ist die Höhe der Vergütung nicht bestimmt, so ist bei dem Bestehen einer Taxe die taxmäßige Vergütung, in Ermangelung einer Taxe die übliche Vergütung als vereinbart anzusehen.
  • (3) Ein Kostenanschlag ist im Zweifel nicht zu vergüten.

Die Vergütung ist fällig, sobald das Werk vom Besteller abgenommen wurde (640, 641 BGB). Wenn nichts anderes vereinbart wird, tritt der Unternehmer dabei in Vorleistung. Das bedeutet, dass er entstehende Kosten während der Erstellung selbst tragen muss und die Vergütung erst erhält, wenn der Besteller das Werk abgenommen hat und somit keine wesentlichen Mängel vorhanden sind.

Abschlagszahlungen sind nach 632a BGB auch möglich. In diesem Fall muss der Auftragnehmer nicht komplett in Vorleistung gehen und erhält eine Vergütung für Teilleistungen.

Die Berechnung der Vergütung ist auf verschiedene Arten möglich.

Vergütung nach Einheitspreisen

Bei der Vergütung nach Einheitspreisen wird ein Festpreis für bestimmte Einheitspreise vereinbart, zum Beispiel pro laufenden Meter. Die Einheitspreise kalkuliert der Auftragnehmer, indem er folgende Kosten mit einbezieht:

  • Lohn der Arbeiter
  • Zeitaufwand pro Leistungseinheit
  • Materialkosten
  • Allgemeine Geschäftskosten
  • Zuschlag für Wagnis und Gewinn

Die Vergütung nach Einheitspreisen hat den Vorteil, dass die wirklich benötigte Dauer bei der Berechnung keine Rolle spielt. Sollte der Auftragnehmer langsamer als erwartet arbeiten, erhöht sich die fertige Rechnung nicht.

Vergütung nach Pauschalpreis

Die Vergütung nach Pauschalpreis wird auch gerne verwendet, weil sie Auftragnehmer und Besteller Arbeit abnimmt. Der Auftragnehmer muss sich nicht um eine genaue Berechnung kümmern und Besteller erhalten einen festen Preis, der sich selten später noch ändert.

Vergütung nach Zeitaufwand

Bei der Berechnung nach Zeitaufwand werden Stundenlohn und Fahrzeiten vergütet. Materialkosten werden auch im Vertrag festgelegt und später in Rechnung gestellt.

Kündigung

Auftraggeber können den Werkvertrag jederzeit grundlos und fristlos kündigen, bis das Werk fertiggestellt ist. Auch wenn das Werk eigentlich fertig ist, aber noch Mängel beseitigt werden müssen, ist eine Kündigung möglich. Wenn der Besteller kündigt, müssen bis dahin ausgeführte Leistungen trotzdem bezahlt werden. Geregelt ist das in § 648 BGB.

Auftragnehmer können weniger leicht kündigen. Eine Kündigung aus wichtigem Grund ist möglich, zum Beispiel wenn die Fortsetzung des Vertrages unzumutbar ist. Auch wenn der Besteller seine Mitwirkungspflichten nach einer Fristsetzung nicht erfüllt kann man kündigen. Das bis zur Kündigung erstellt Werk muss der Auftragnehmer übergeben. Außerdem muss er seinen Anspruch auf Vergütung darlegen und beweisen.

Alle Infos zur Kündigung als Handwerker gibt es hier:
📝 Wann darf man als Handwerker Verträge kündigen?

Gewährleistung und Nacherfüllung

Nach der Arbeit muss das Werk frei von wesentlichen Mängeln sein. Ist das nicht der Fall, hat der Besteller nach BGB § 634 folgende Möglichkeiten:

  1. Nach § 635 Nacherfüllung verlangen. Der Auftragnehmer muss die Mängel dann innerhalb einer Frist von 14 Tagen beseitigen.
  2. Nach § 637 darf man die Mängel selbst beseitigen oder von anderen Handwerkern beseitigen lassen und die Kosten dafür dem Auftragnehmer in Rechnung stellen.
  3. Vom Vertrag zurücktreten (BGB §§ 636, 323 und 326 Abs. 5) oder die Vergütung mindern (§ 638 BGB).
  4. Schadensersatz verlangen (BGB §§ 636, 280, 281, 283 und 311a) oder Ersatz der vergeblichen Aufwendungen verlangen (BGB § 284).

Gewährleistung im Handwerk: Infos zu Fristen & Nacherfüllung

Was muss im Vertrag stehen?

Die Schriftform ist nicht vorgeschrieben, ein Vertrag kann also auch mündlich zustande kommen. Trotzdem sollte man ihn bei großen Aufträgen immer schriftlich aufsetzen.

  • Detaillierte Beschreibung des Werkes
  • Liefertermin oder Liefertermine mit Zwischenabnahmen
  • Vorgehen im Konfliktfall zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer
  • Vergütung
  • Hinweis auf den Nutzungsvertrag bei urheberrechtlich geschützten Werken

Man kann ein Muster als Grundlage für einen Werkvertrag nehmen, sollte es aber immer auf die spezifischen Umstände anpassen. Wie oben schon erwähnt, können Werkverträge sehr unterschiedlich sein und ein Mustervertrag ohne Anpassung wird diesen Anforderungen nicht gerecht.

Bild: Zerbor / stock.adobe.com

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