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Berufsunfähigkeitsversicherung für Handwerker

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Egal ob selbstständig oder angestellt – als Handwerker kann der Job sehr belastend für den Körper sein und eine Berufsunfähigkeitsversicherung klingt nach einer guten Vorsorge. Leider macht jedes mit der Arbeit verbundene Risiko auch die Berufsunfähigkeitsversicherungen teurer. Lohnt sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung überhaupt?

Welche Vorteile bietet eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Viele Handwerker unterschätzen, wie drastisch sich verminderte Erwerbsfähigkeit auf die Finanzen und die Lebensqualität auswirkt. Es gibt zwar auch die Erwerbsminderungsrente in Deutschland, diese ist jedoch nicht besonders hoch. In der Regel kann man den Lebensstandard nicht halten, den man sich vor der Berufsunfähigkeit erarbeitet hat. Das ist besonders wahrscheinlich, wenn man nur halb erwerbsgemindert ist, also noch drei bis sechs Stunden am Tag arbeiten kann. Auch wenn man trotz anstrengendem Job körperlich lange fit bleibt, lassen sich psychische Erkrankungen nie komplett ausschließen. Auch dann schützt eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Probleme und Kosten bei Handwerkern

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist bei Handwerkern sehr nützlich, aber auch besonders teuer. Für die Versicherungsunternehmen gehören Handwerker nämlich zu einer Gruppe mit erhöhtem Risiko für Berufskrankheiten. Für Dachdecker sind Prämien über 200 Euro pro Monat keine Seltenheit. Auch beim versicherbaren Alter wollen die Versicherungen Risiken minimieren, indem sie es auf 62 oder sogar 55 Jahre senken. Die Berufsunfähigkeitsversicherung wird dann nur bis zu diesem Alter ausgezahlt und die übrige Zeit bis zur Rente muss anders überbrückt werden.

Diese Probleme haben auch die Versicherer erkannt und einige bieten mittlerweile alternative Berufsunfähigkeitsversicherungen für Handwerker an. Diese Versicherungen sind zwar günstiger, decken aber nur sehr eingeschränkte Leistungen ab. Die Berufsunfähigkeit durch Arbeitsunfälle oder berufsbedingte physische Erkrankungen ist dann vielleicht versichert, aber eben nicht alle Krankheiten. Bei anderen Erkrankungen, zum Beispiel Krebs, einem Schlaganfall, Herzerkrankungen oder psychischen Erkrankungen werden  dann bspw. nur 50 Prozent der eigentlichen Leistung ausgezahlt. 

So klappt die Berufsunfähigkeitsversicherung auch bei Handwerkern

Für Handwerker ist die Berufsunfähigkeitsversicherung besonders wichtig, aber auch besonders teuer. Es gibt jedoch Wege, sich möglichst viele Türen offen zu halten und sich auch als Handwerker gut abzusichern. Auch für andere, risikoärmere Berufsgruppen sind diese Tipps wertvoll!

  1. Keine eigenen Anfragen stellen!

Wenn man eine Anfrage nach Risiko und Preis persönlich bei einem Versicherer stellt, gibt man viele Informationen über sich preis. Diese Infos können nicht nur von diesem Versicherer benutzt werden, sondern über das Hinweis- und Informationssystem der deutschen Versicherer auch von allen anderen Versicherern! Eine persönliche Anfrage kann also die Kosten bei allen Versicherern erhöhen oder sogar zu Ablehnungen führen. Sicherer ist es, einen unabhängigen Versicherungsberater oder Versicherungsmakler damit zu beauftragen, eine anonyme Risikovoranfrage zu stellen. So erhalten Sie die gleichen Informationen, geben aber keine Infos über sich selbst preis und können besser vergleichen.

  1. Berufsunfähigkeitsversicherung schon in der Schulzeit abschließen

Dieser Tipp ist wahrscheinlich der wichtigste, denn er kann den größten Nachteil von Berufsunfähigkeitsversicherungen komplett beseitigen – die hohen Beiträge oder sogar komplette Ablehnung bei risikoreichen Berufen. Dafür muss man aber darauf achten, dass der Tarif eine Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung und ohne erneute Prüfung des ausgeübten Berufs enthält. Damit wird der gute Gesundheitszustand und das niedrige berufliche Risiko aus der Jugend quasi “eingefroren” und gilt sogar, wenn man anschließend eine Ausbildung zum Dachdecker macht – ein sehr risikoreicher und damit in Bezug auf die Berufsunfähigkeitsversicherung teurer Beruf. Diesen Schritt kann man natürlich nicht nachholen, aber Sie können daran denken, wenn das eigene Kind eine Ausbildung im Handwerk anstrebt.

  1. Möglichst früh abschließen

Auch wenn Sie die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht vor der Ausbildung abgeschlossen haben, stehen noch genug Türen offen. In Kombination mit dem ersten Tipp können Sie auch noch später eine BU-Versicherung abschließen. Besonders als Handwerker sollte man das aber möglichst früh machen. Je älter man wird, desto mehr steigt das Risiko für den Versicherer und desto teurer werden die monatlichen Beiträge.

  1. Bewertungen vergleichen und Tarife überprüfen

Auch wenn man eine Berufsunfähigkeitsversicherung früh abschließen sollte, darf man nichts überstürzen. Immerhin will man die Versicherung lange behalten und sie muss gut absichern. Darum sollte man sich genug Zeit lassen, um verschiedene Tarife miteinander zu vergleichen und sich Bewertungen von angesehenen Ratingagenturen anzuschauen. Diese Bewertungen berücksichtigen auch die hier genannten folgenden Kriterien, also geben sie einen guten Anhaltspunkt. Trotzdem sollte man die einzelnen Vertragsbedingungen vor einem Abschluss genau prüfen und besonders auf diese Kriterien achten:

Keine abstrakte Verweisung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit dem Recht auf abstrakte Verweisung sollten Sie komplett ausschließen. Damit könnte die Versicherung die Leistungen verweigern, wenn der Versicherte noch in der Lage ist, in irgendeinem anderen Beruf Geld zu verdienen. Auch eine konkrete Verweisung sollte man nach Möglichkeit ausschließen, sie ist aber weniger belastend. Hier kann die Versicherung auf einen anderen Beruf verweisen, sofern der Versicherte eine entsprechende Umschulung gemacht hat und trotz Krankheit in diesem  anderen Beruf arbeiten kann.

Keine Pflicht zur Umorganisation

Die Pflicht zur Umorganisation ist besonders für selbstständige Handwerker problematisch. Die Versicherung könnte dann verlangen, dass ein selbstständiger Versicherungsnehmer seinen Betrieb umstrukturiert, zum Beispiel um eigene Aufgaben an Mitarbeiter abzugeben. Die Umorganisation sollte nur dann möglich sein, wenn sie keinen hohen Kapitaleinsatz erfordert und angesichts der Umstände zumutbar ist. Was für Ihren Betrieb und Sie selbst zumutbar ist, müssen Sie selbst entscheiden.

Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung

Eine Versicherung ohne Nachversicherungsgarantie ist nicht sinnvoll, besonders wenn Sie die Versicherung früh abschließen. Mit dieser Garantie ist es möglich, die Rentenhöhe anzupassen, wenn sich die Lebensumstände ändern. Die Nachversicherung sollte ohne erneute Gesundheitsprüfung nötig sein und folgende Änderungen sollten von der Nachversicherungsgarantie eingeschlossen sein:

  • Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit
  • Eheschließung
  • Geburt eines Kindes
  • Immobilienkauf
  • Wegfall der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Rentenversicherung

Absicherung bei langer Krankheitsdauer

Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung hilft auch dann, wenn noch keine Berufsunfähigkeit feststeht. Es kann passieren, dass man länger krank wird, aber trotzdem die Aussicht auf Besserung besteht. Auch dann zahlt eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung die vereinbarte Rente für die Dauer der Krankschreibung aus, egal ob darauf eine Berufsunfähigkeit folgt oder nicht.

Rückwirkende Zahlung

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sollte rückwirkend ausgezahlt werden, wenn die Berufsunfähigkeit verspätet gemeldet wird. Nicht immer ist bei einer Erkrankung sofort klar, dass eine Berufsunfähigkeit vorliegt. Trotzdem sollte die Berufsunfähigkeitsversicherung bei verspäteter Meldung auch rückwirkend bis zum Zeitpunkt der Ursache ausgezahlt werden.

  1. Bis zur Rente absichern

Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung sollte das Nettoeinkommen vor der Berufsunfähigkeit übernehmen können und den Lebensstandard bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter sichern, also bis zum 67. Lebensjahr. Kurz vor der Rente ist das Berufsunfähigkeitsrisiko besonders hoch. Auch die Zahlungen für die gesetzliche oder private (sofern vorhanden) Rentenversicherung sollte man weiterhin davon bezahlen können.

Berufsunfähigkeitsrente statt -versicherung?

Auch wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung heute nur über private Anbieter erhältlich ist, war sie früher tatsächlich einmal Teil der gesetzlichen Rentenversicherung. Sie existiert aber mittlerweile nur noch für Menschen, die vor 1961 geboren sind und mindestens 60 Monate in die deutsche Rentenversicherung eingezahlt haben. Außerdem deckt sie nur 50 Prozent des letzten Netto-Einkommens ab. Handwerker in Berufen mit Meisterpflicht würden von einer Wiedereinführung stark profitieren, denn sie sind sowieso zur Einzahlung in die deutsche Rentenversicherung verpflichtet. Außerdem kann eine gesetzliche Versicherung niemanden ablehnen und die Beiträge wären für alle Berufsgruppen gleich hoch. Bis jetzt ist das ganze aber nur Theorie, denn keine Partei strebt eine Rückkehr zum alten System an und der Koalitionsvertrag sieht keine Änderungen vor. Es gibt jedoch Parteien im Bundestag, die die Abschläge der Erwerbsminderungsrente senken oder abschaffen und die Bedürftigkeitsprüfungen lockern wollen. Das Ergebnis wäre ähnlich – Handwerker und andere Risikoberufe würden besonders profitieren.

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Bildquelle: marcus_hofmann / stock.adobe.com

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