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1. Lackierer-Handwerk: Grundlagen, Techniken, Werkstoffe und Kosten

Lackierarbeiten gehören zu den anspruchsvollsten Veredelungstechniken im Bauwesen, im Innenausbau und in der industriellen Fertigung. Sie dienen nicht nur der farblichen Gestaltung und optischen Aufwertung, sondern übernehmen eine essenzielle Schutzfunktion für empfindliche Bauteile aus Holz, Metall und Kunststoff. Ein professioneller Lackierer sorgt dafür, dass Fensterrahmen witterungsbeständig bleiben, Zimmertüren stoßfest sind, Heizkörper hitzebeständig beschichtet werden und Metallkonstruktionen dauerhaft vor Korrosion geschützt bleiben. In diesem ausführlichen Artikel erfahren Sie alles über die Aufgabenbereiche, modernen Techniken, Materialauswahlen, fachgerechten Abläufe und Preisstrukturen im professionellen Lackierer-Handwerk.


Aufgaben und Einsatzbereiche eines Lackierers

Das Tätigkeitsfeld eines Lackierers erstreckt sich über eine Vielzahl von Materialien und Anwendungsbereichen im Innen- und Außenbereich von Gebäuden. Jedes Material stellt dabei völlig eigene Anforderungen an die Lackauswahl und die Verarbeitung:

  • Holzlackierung: Türen, Zargen, Holzfenster, Fußleisten, Wandverkleidungen und hochwertige Holzmöbel benötigen spezielle Lacksysteme. Die Herausforderung bei Holz liegt in seiner natürlichen Eigenschaft, bei Feuchtigkeitsschwankungen zu quellen und zu schwinden (das Holz "arbeitet"). Der Lackierer wählt daher hochelastische Lacke (Ventilationslacke), die diese Bewegungen ohne Rissbildung mitmachen und gleichzeitig das Eindringen von Nässe verhindern.
  • Metalllackierung: Geländer, Zäune, Tore, Gitter, Rohre und Heizkörper bestehen aus Stahl, Eisen oder Nichteisenmetallen wie Aluminium und Zink. Hier steht der Schutz vor Sauerstoff und Feuchtigkeit im Vordergrund. Ohne fachgerechten Korrosionsschutz (Rostschutzgrundierung) zersetzt sich das Metall im Laufe der Zeit. Der Lackierer entfernt Rost rückstandslos und baut ein schützendes Mehrschichtsystem auf.
  • Kunststofflackierung: Moderne Bauteile wie Kunststofffenster, Rollladenkästen oder Paneele lassen sich ebenfalls lackieren. Da Kunststoffe extrem glatte und unpolare Oberflächen haben, haftet normaler Lack darauf nicht. Hier ist der Einsatz spezieller Haftvermittler (Kunststoff-Primer) zwingend erforderlich, um ein späteres Abblättern des Lacks zu verhindern.

Spritzlackierung vs. manuelle Lackierung mit Pinsel und Rolle

Im professionellen Handwerk stehen verschiedene Applikationsverfahren zur Verfügung, die je nach Bauteil, Ort und gewünschter Oberflächenqualität ausgewählt werden.

Die manuelle Lackierung (Pinsel und Walze)

Dieses klassische Verfahren wird vor allem direkt auf der Baustelle angewendet, wenn Bauteile fest verbaut sind und die Umgebung vor Farbnebel geschützt werden muss (z. B. eingebaute Türzargen, fest installierte Rohre oder Geländer). Ein professioneller Lackierer verwendet hierfür hochwertige Naturborsten- oder Synthetikpinsel sowie spezielle Schaumstoff- oder Kurzflor-Lackierwalzen. Das manuelle Lackieren erfordert viel Erfahrung, um eine gleichmäßige Schichtdicke ohne sichtbare Pinselspuren (Streichriefen) oder Orangenhaut-Struktur zu erzielen.

Die Spritzlackierung (Airless- und HVLP-Verfahren)

Für absolut glatte, makellose Oberflächen ohne jegliche Struktur (wie man sie von Küchenfronten oder Möbeln kennt) nutzen Lackierbetriebe moderne Spritzverfahren in speziellen Kabinen.

  • Airless-Spritzen: Hierbei wird der Lack ohne Luftzufuhr unter hohem Druck (bis zu 250 bar) durch eine feine Düse gepresst und zerstäubt. Dieses Verfahren eignet sich hervorragend für große Flächen und dickflüssige Lacke. Es ermöglicht einen schnellen Arbeitsfortschritt.
  • HVLP-Spritzen (High Volume Low Pressure): Dieses Verfahren arbeitet mit niedrigem Druck, aber hohem Luftvolumen. Es sorgt für einen sehr feinen Lacknebel und minimiert den Farbverlust durch Spritznebel (Overspray). HVLP wird vor allem für feinste Oberflächen im Möbelbau oder bei anspruchsvollen Detailarbeiten genutzt.

Wichtige Materialien und Lacksysteme

Maler- und Lackiererbetriebe unterscheiden Lacksysteme primär nach ihren Lösungsmitteln und Bindemitteln. Die Wahl des Lacksystems entscheidet über die Belastbarkeit, Trocknungszeit und Umweltfreundlichkeit.

Wasserbasierte Lacke (Acryllacke)

Diese umweltfreundlichen und geruchsarmen Lacke verwenden Wasser als Hauptlösungsmittel. Sie trocknen schnell, vergilben im Innenbereich nicht und sind hochelastisch. Sie eignen sich hervorragend für Wohnräume, Kinderspielzeug und Standard-Holzbauteile. Zudem belasten sie die Raumluft kaum mit flüchtigen Schadstoffen.

Lösemittelhaltige Lacke (Alkydharzlacke)

Diese klassischen Kunstharzlacke zeichnen sich durch einen hervorragenden Verlauf aus (sie ziehen sich beim Trocknen spiegelglatt zusammen) und bilden extrem harte, kratzfeste Oberflächen. Sie sind jedoch geruchsintensiver und trocknen langsamer. Sie werden bevorzugt im Außenbereich an Holzfenstern und stark beanspruchten Metallbauteilen eingesetzt, wo maximale Härte gefordert ist.

Zweikomponenten-Lacke (2K-Lacke)

Diese Lacke bestehen aus einem Stammlack und einem Härter, die erst kurz vor der Verarbeitung im exakten Verhältnis gemischt werden müssen. Durch eine chemische Reaktion härtet der Lack extrem widerstandsfähig, chemikalienresistent und schlagfest aus. Typische Anwendungsbereiche sind Küchenarbeitsplatten, Garagenboden-Beschichtungen und stark beanspruchte Treppenstufen.

Vorbereitung und fachgerechter Ablauf einer Lackierung

Der Erfolg einer Lackierung entscheidet sich zu 80 % vor dem eigentlichen Farbauftrag. Ein professioneller Lackierer arbeitet nach folgendem System:

  1. Demontage: Alle abnehmbaren Teile wie Klinken, Dichtungen und Beschläge werden demontiert, um saubere Kanten zu gewährleisten.
  2. Untergrundprüfung: Der Lackierer prüft die Tragfähigkeit des Altlacks mittels Gitterschnittprüfung. Lose Lackschichten müssen komplett entfernt werden.
  3. Schleifen und Spachteln: Die gesamte Oberfläche wird gründlich angeschliffen, um dem neuen Lack Haftung zu bieten. Löcher und Risse werden mit Feinspachtel ausgeglichen und plangeschliffen.
  4. Reinigen: Die Oberfläche muss absolut staub-, fett- und silikonfrei sein, da sonst Lackfehler (Kraterbildung) entstehen.
  5. Grundieren (Haft- und Schutzgrund): Aufbringen des passenden Primers (z. B. Rostschutzprimer für Stahl oder Holzgrundierung mit Wirkstoffen gegen Pilze).
  6. Zwischenschliff: Nach dem Trocknen der Grundierung stellen sich bei Holz feine Holzfasern auf. Diese werden durch einen feinen Zwischenschliff (Körnung 240 oder feiner) entfernt.
  7. Zwischen- und Decklackierung: Der eigentliche Lack wird in mindestens zwei Schichten dünn aufgetragen. Dünne Schichten trocknen gleichmäßig durch und verhindern Läufer ("Farbtränen").

Besondere Herausforderungen bei der Bauteillackierung

Lackierer stehen im Alltag vor spezifischen physikalischen Herausforderungen. Eine davon ist der sogenannte Harzaustritt bei Nadelhölzern wie Kiefer oder Lärche im Außenbereich. Durch Sonneneinstrahlung verflüssigt sich das im Holz enthaltene Harz, dehnt sich aus und sprengt den ungeeigneten Lackfilm. Der Profi setzt hier spezielle lösemittelhaltige Absperrgrundierungen ein. Eine weitere Herausforderung ist die Kantenflucht: An scharfen Kanten von Bauteilen zieht sich flüssiger Lack beim Trocknen aufgrund der Oberflächenspannung zusammen, wodurch die Schichtdicke dort extrem dünn wird. Der Fachmann bricht (rundet) die Kanten daher vorab leicht ab.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Lasur und Lack?

Ein Lack bildet eine deckende, geschlossene Schicht auf der Oberfläche, die die Holzstruktur komplett überdeckt und maximalen Schutz bietet. Eine Lasur hingegen dringt tief in das Holz ein, ist transparent oder halbtransparent und lässt die natürliche Holzmaserung sichtbar durchscheinen.

Warum vergilben weiße Lacke im Innenbereich?

Vergilbungen treten vor allem bei klassischen Kunstharzlacken (Alkydharzlacken) auf, wenn sie im Innenbereich zu wenig UV-Licht ausgesetzt sind. Moderne Acryllacke auf Wasserbasis sind UV-stabil und vergilben auch an dunklen Stellen nicht.

Kann man Fliesen oder Kunststoffflächen lackieren?

Ja. Unter Verwendung spezieller Zweikomponenten-Fliesenlacke oder Haftgrundierungen für Kunststoffe lassen sich selbst extrem glatte Oberflächen dauerhaft lackieren. Wichtig ist eine extrem sorgfältige Reinigung und das Anschleifen vor dem Anstrich.

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